Freitag, 29. Januar 2010

Sonnenuntergang am Meer

Eine Kurzgeschichte

Sonnenuntergang


Obwohl der Marktplatz zum bersten voll war, kauften wenige Ballone. Er hatte die Holzstange an seinem Mantellgürtel befestigt, damit er beide Hände frei hatte, den gewünschten Ballon dem Fadengewirr nach heraus zu suchen.
Da bahnte sich ein älterer Mann aufgeregt den Weg zu ihm durch die Jahrmarktsmenge. Er wünschte diesen gelben Ballon zurückgeben, da er ja eigentlich einen grünen haben wollte. Der Ballonverkäufer nahm etwas erstaunt dem noch keuchenden Mann seinen gelben Ballon ab. Er wollte denn Fäden nach einen grünen als Ersatz heraussuchen. Doch der ältere Mann lehnt ab. Jetzt sei es zu spät, meinte er mürrisch und tauchte in der Menge unter.
Die Sonne war inzwischen so weit gesunken, dass nur noch die Ballone angestrahlt wurden, über die dicht beieinander stehende Häuserzeile hinweg.
Ein Priester schlurfte heran, sein Bauchansatz mit einer Kordel gut gestützt. Er drückte dem Ballonverkäufer einen roten Ballon in die Hand. Eine Frau habe diesen am Beichtstuhl abgegeben. Der Priester hob nur fragend seine Schultern und fuhr fort. Wenn es der armen Seele dienlich sei. Er habe ihr versprochen ihn zurück zugeben. Kraft seines Amtes müsse er sich an Versprechen halten. Der Ballonverkäufer dachte bereits an das Zusammenpacken, als eine Frau mittleren Alters mit gleich vier Ballonen ankam. Die Kinder seinen früher abgereist. Sie wisse nun wirklich nichts anzufangen mit diesen bunten Ballonen. Der Ballonverkäufer hatte kaum den vierten an seine Holzstange geknüpft, da standen wieder drei Kunden vor ihm, die unbedingt ihre Ballone zurückgeben wollten.
Seltsam, murmelte der Ballonverkäufer vor sich hin, hatte er doch im Höchstfall ein halbes dutzend Ballone verkauft. Nun hatte er mehr Ballone an der Stange als am Morgen beim Kommen. Nachdenklich schaute er über den nun fast ganz im Schatten liegenden Marktplatz. Er stellte fest, dass plötzlich sehr viele Ballone schwebend getragen wurden. Er konnte nicht darüber hinwegsehen, dass sich alle diese Ballone auf ihn zu bewegten. Schon bald kam der arme Ballonverkäufer fast nicht mehr nach mit Ballonen zurück nehmen. Die Ballonblume über ihm wurde immer mächtiger. Er begann sich leicht zu fühlen. Täuscht er sich oder begann die Holzstange wirklich an seinem Mantel zu ziehen? Er hatte keine Zeit mehr der Frage länger nachzugehen. Langsam begann er an seinem Gurt zu schweben. Der Gurt, schön im Gleichgewicht seines Gewichtes, liess ihn alle Viere herab bammeln. Immer noch nahm er einen Ballon nach dem anderen entgegen. Die Menge drängte sich dichter und dichter unter ihm. Der letzte Ballon, den er noch erreichen konnte war ein besonders grosser Blauer. Da hob er ab und schwebt der Häuserzeile zu. Den Blick darüber eröffnet im das weite Meer unterhalb der Stadt. Er kam gerade noch rechtzeitig, den wunderbaren Sonnenuntergang an diesem Abend zu bewundern.


Ballongeschichte

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