Samstag, 27. Februar 2010

Erinnerung

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  1. Der schaurig schöne Schmerz der Angst, als ich damals dem Gewitter lauschte. Ich sprach mit ihm wie selbstverständlich. Es schickte mir dicke Hagelkörner als Antwort und Geschenk. Ich dankte ihm mit lautem Singen und herum gehüpfe. Der Donner erzitterte die Luft um mich. Das Grollen erschauderte die Umgebung. Der Wind rüttelte an allen Läden. Ein Knall riss ein Loch ganz in der Nähe und zog mich fast zu meinen Ohren raus. Die Baumwipfel wurden auseinander geschlagen. Mit grossen Augen stand ich da am Stubenfenster und hoffte bei jedem Gewitter, es werde das grösste aller Zeiten. Ich war erst dabei meinen kleinen Körper einzurichten, liess die fremden Milchzähne unter Schmerzen fallen, um meine eigenen Zähne nun im Munde drin zu ordnen. Es brauchte nicht viel und Märchen wurden wahr. Ein paar Kieselsteine und mein Kopf auf den Tisch gelegt, war das schon die Höhle mit zwei grossen Toren unter den Schulterndurchgängen, über den Armen dann die Fenster. Es war kein kleines Haus, nein sicher nicht! mächtig war es wie ein Dom. Die Steinchen gingen ein und aus. Ich war das Fresko an der Decke. Ich spüre mich, wie ich zum dicken Baumstamm wurde, fest verwurzelt und schon beinah spröd. Bange lausche ich auf das Poltern. Hält das Dach noch? die alten Balken gieren. Etwas anderes jubelt leise in mir, das ich fast vergessen hatte; „Ja komm mein Wind, zeig uns wer Du bist.“ Da! ein Blitz so grell. Für kurze Zeit nur, ist der Strassenzug vor meinem Fenster hell erleuchtet, als hätte es die Zeit zurückgeworfen, zerfällt das Licht über violette Ränder wieder, um ins Dunkel zurückzuschwappen. Es wohnen zwei Seelen in meiner Brust, die eine ängstlich haltend, die andere vom Festen fast erdrückt. Der Sturm schlägt die Eine in die Flucht, der Panik schon entgegen. Die andere kommt erst von der Diele runter, wie damals immer munter. Erfasst mich heute das Bangen um mein Dach, bei den grossen Stürmen, braucht es doch gerade Solche, bis ich mich wieder als Zeichen erkenne, wie von der Decke gestrahlt und tanzend in der Zeit. Nur manchmal spüre ich wieder dieses Jauchzen bei einem heftigen Windstoss, so wie früher vor dem Stubenfenster. Doch ich traue dem Wetter nicht mehr und schliesse ängstlich alle Fenster.

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